Ein starker Rücken: Gesund bleiben durch Vorbeugen

Was den Rücken stärkt
Was den Rücken stärkt (Bild: Getty Images)

Der 15. März ist der Tag der Rückengesundheit. Gerade weil uns im Moment so viele andere Themen beschäftigen, ist das ein guter Anlass, dem Rücken etwas Aufmerksamkeit zu widmen. Wie wichtig er für unsere Gesundheit ist, merken wir meist erst, wenn er streikt oder schmerzt. Durch Ursachenforschung und Vorbeugen lässt sich jedoch viel erreichen. Wir widmen diese Woche dem Rücken, erklären, woher Rückenleiden kommen können und welche Tipps den Rücken stärken.

Im Gegensatz zu heute spielten Rückenschmerzen bis ins 19. und frühe 20. Jahrhundert eine untergeordnete Rolle in der medizinischen Versorgung. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass sich meine Großeltern über Rückenschmerzen beklagt hätten, obwohl sie körperlich viel größeren Belastungen ausgesetzt waren. Auf der Rangliste für Volksleiden in Deutschland nehmen Rückenschmerzen inzwischen Platz 3 ein – mit steigender Tendenz, wobei Männer, Frauen und Kinder gleichermaßen betroffen sind. Medizinisch gibt es keine Untersuchungen, mit denen man Rückenschmerzen nachweisen oder ausschließen kann. Sie sind ein rein subjektives, also persönliches Empfinden. Das bedeutet, dass jemand beispielsweise einen Bandscheibenvorfall haben kann, ohne etwas davon zu bemerken. Genauso sind stärkste Schmerzen ohne erkennbare Ursache möglich.

Spezifische und unspezifische Rückenschmerzen

In der Medizin werden Rückenschmerzen nach spezifischen und unspezifischen Ursachen unterteilt, damit entsprechende Leitlinien zur Behandlung aufgestellt werden können. Unter spezifischen Krankheitsbildern verstehen wir die Beschwerden, denen wir eine eindeutige Ursache wie beispielsweise einen blockierten Halswirbel oder einen Bandscheibenvorfall zuordnen können.

Ganzheitliche Methoden bei Rückenschmerzen
Ganzheitliche Methoden bei Rückenschmerzen

Auch Nierenerkrankungen oder ein Herzinfarkt können spezifische Rückenschmerzen auslösen. Alle Beschwerden ohne eine erkennbare Ursache werden dann den unspezifischen Ursachen zugeordnet, die laut Gesundheitsberichterstattung des Bundes von 2012 mit circa 80 % den größten Teil aller Beschwerdebilder ausmachen und meist von selbst ausheilen. Vermutlich werden die eigentlichen Ursachen von Rückenschmerzen öfter als angenommen nicht oder erst sehr spät entdeckt. Den behandelnden Ärzten in unserem Gesundheitssystem fehlt im Alltag häufig die benötigte Zeit für den Patienten. Untersuchungsmöglichkeiten sind je nach Kassenleistung begrenzt und die Spezialisierung auf bestimmte Fachgebiete verhindert mitunter ein ganzheitliches und fachübergreifendes Denken in der Ursachenforschung.

Ganzheitliche Ansätze

In den verschiedenen naturheilkundlichen Verfahren, in der Osteopathie und weiteren Therapieformen wird grundsätzlich immer der ganze Mensch mit seinen Regelkreisen, seiner Psyche, seiner Köperhaltung und seinen Körperfunktionen untersucht – in unterschiedlicher Herangehensweise, aber stets ganzheitlich. Denn auch ein fehlgeleitetes Hormonsystem, eine falsche Ernährung sowie ein Mangel an Flüssigkeit können zu Rückenschmerzen führen. Frauen in den Wechseljahren erleben dies recht häufig und sind enttäuscht, wenn der Orthopäde keine Ursache findet. Stresshormone wie Adrenalin und Cortisol bringen unsere Faszien unter Spannung, was unter anderem oft Schmerzen im Bereich der Halswirbelsäule auslöst. Somit kann sogar unsere Art zu denken zu Schmerzen führen.

Von einer maskierten Depression spricht man, wenn sich hinter chronischen Rückenbeschwerden eigentlich eine Depression verbirgt, die nicht immer auf den ersten Blick ersichtlich ist. Senkungsbeschwerden durch Bindegewebsschwäche, die eher im fortgeschrittenen Alter auftreten, können Schmerzen in der Lendenwirbelsäule verursachen, ebenso wie die Entfernung der Gebärmutter bei Frauen. Und natürlich spielen degenerative Abnutzungserscheinungen an den Knochen und Gelenken – wie seit Tausenden von Jahren – ebenfalls eine nicht unbedeutende Rolle.

Osteopathie bei Rückenschmerzen
Osteopathie bei Rückenschmerzen stützt oft einen ganzheitlichen Ansatz

Deshalb empfiehlt es sich in der Praxis, eine ausführliche Anamnese zu erheben, Körperhaltung und Bewegungsabläufe zu beurteilen sowie mit den Händen einen Tastbefund zu machen. Gegebenenfalls wird auch eine weiterführende Diagnostik erforderlich sein, um die Ursachen für die Beschwerden herauszufinden. Hier können sich die naturheilkundlichen und osteopathischen Verfahren wunderbar mit den fachübergreifenden Möglichkeiten der schulmedizinischen Diagnostik und Therapie ergänzen.

Persönliche Risikofaktoren abklären

Wir tun gut daran, schon im Vorfeld unsere persönlichen Risikofaktoren unter die Lupe zu nehmen. Aus diesem Grund wollen wir diese im Folgenden näher betrachten.

1. Sitzende Tätigkeit

An erster Stelle für Rückenschmerzen steht vermutlich die sitzende Tätigkeit im Berufsleben, insbesondere vor dem PC. Dabei neigen die vorderen Muskeln, wie beispielsweise die großen Brustmuskeln, aber auch die Hüftbeuger dazu, mit ihren Faszien zu verkürzen. Infolgedessen gerät die Rückseite unter Dauerspannung, um die Balance ce aufrechtzuhalten. Das führt dann nach einiger Zeit zu Schmerzen im oberen und unteren Rücken, je nachdem, wie lange der Zustand anhält. Auch Schulter- und Armprobleme können daraus resultieren.

2. Bewegungsmangel

Gehören Sie auch zu der Berufsgruppe, die im Homeoffice arbeitet? An manchen Tagen kommt man gar nicht mehr vor die Tür, um sich einen Ausgleich zu verschaffen. Knochen, Muskeln und Gelenke benötigen aber regelmäßiges Training, um gut zu funktionieren. Jeder, der einmal einen gebrochenen Arm hatte, weiß, was mit den Muskeln im Gips passiert: Sie bilden sich zurück. Doch auch ein Mangel an Bewegung und Krafttraining lässt unsere Muskeln verkümmern. Sie können dann unsere Wirbelsäule, Knochen und Gelenke nicht mehr richtig stützen und vor Verletzungen schützen. Das führt zu Schmerzen und Verspannungen bei auftretenden Belastungen.

Gesunde Ernährung
Lesetipp: NaturApotheke 2/2022: Gesund bleiben durch Vorbeugen: Ernährung

3. Übergewicht

Jedes Kilogramm Übergewicht belastet unsere Wirbelsäule und Gelenke, wenn wir nicht über entsprechende Muskelkraft verfügen, wie beispielsweise ein Athlet beim Kugelstoßen. Es geht also nicht darum, besonders schlank zu sein, sondern um die Muskelkraft, die im Verhältnis zum Körpergewicht stim- men muss. Fakt ist aber auch, dass Diäten zur Gewichtsreduktion oft einen Jojo-Effekt haben und keine langfristige Lösung darstellen.

Unsere Tipps für eine dauerhafte Abnahme lesen Sie hier.

4. Fehl- und Überbelastungen

In der gesamten Menschheitsgeschichte haben Fehl- und Überbelastungen zu Schmerzzuständen und degenerativen Prozessen an der Wirbelsäule und an den Gelenken geführt. Es kann den Sportler ebenso wie den Bauarbeiter oder die Pflegefachkraft betreffen. Körperwahrnehmung, achtsame Bewegungen und Ausgleichsübungen können hier Abhilfe schaffen.

Wie Sie mit Alexandertechnik den Rücken entlasten und stützen, verraten wir ebenfalls diese Woche.

5. Mangel an Mikronährstoffen

Damit unser Bewegungssystem gut funktioniert, brauchen wir eine vitalstoffhaltige Ernährung und einen ausgewogenen Säure-Basen-Haushalt. Vitamine, Mineralien und Spurenele- mente, die unser Körper für seine biochemischen Abläufe benötigt, müssen wir täglich mit der Nahrung zu uns nehmen. Sie sorgen zusammen mit regelmäßiger Bewegung für stabile Knochen, kraftvolle Muskeln, elastische Faszien und für ein durchlässiges Bindegewebe, in dem der Stoffwechsel reibungslos funktioniert.

Wie wichtig beispielsweise Vitamin D für die Knochengesundheit ist, lesen Sie hier.

6. Psyche

Hätten Sie gedacht, dass auch die Psyche ein Auslöser für Rückenschmerzen sein kann? Nämlich dann, wenn die Seele ihre Nöte über den Körper ausdrückt. Das kann bei Depressionen der Fall sein oder bei Ängsten, die wir auf der seelischen Ebene nicht wahrnehmen können, oder wenn sich eine belastende Situation vorübergehend nicht ändern lässt. Immer wenn wir versuchen, unsere Probleme zu verdrängen, kann der Körper sich ein Ventil dafür suchen. Sehr häufig zeigt sich das dann in Rückenschmerzen, bei denen sich keine körperliche Ursache finden lässt. Solche Schmerzen können auch sehr stark ausgeprägt sein. Ein Psychotherapeut kann helfen, die Ursachen bewusst zu machen und Lösungsansätze herauszuarbeiten, um die Schmerzzustände zu reduzieren.

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