Klein und fein: Die Walderdbeere

Walderdbeeren helfen bei Erschöpfung und stärken die Nerven. (Bild: Pixabay)

Sie schmeckt aromatisch, verwöhnt uns u. a. mit Vitamin C, ist ein Nervenstärker und kann bei Erschöpfung und Mattigkeit helfen.
Die Walderdbeere (Fragaria vesca) gehört zur Familie der Rosengewächse (Rosaceae). Sie begleitet uns schon seit der Steinzeit. Bekannt ist sie auch als Besingkraut, Erbel, Flohbeere, Hafelsbeere und rote Besinge. Sie wächst an lichten Standorten, Waldrändern und Waldwegen. Sie wächst als Rosettenstaude mit langen Ausläufern, hat weiße Blüten und langgestielte, an der Unterseite weißlich behaarte Laubblätter. Blütezeit ist etwa Mai bis Juli. Auch wenn es überraschend klingt, die Erdbeere gehört zu den Sammelnussfrüchten und ist daher nur eine Scheinfrucht. Die eigentlichen Früchte der Erdbeere sind die kleinen Nüsschen, das heißt die Körnerchen an ihrer Oberfläche.
Am besten schmeckt die wildwachsende Walderdbeere (Fragaria vesca), die lichte Stellen in Wäldern bevorzugt.
In den kleinen, grünen Kernen der Walderdbeere steckt ein Bitterstoff, der beim Kochen erst nach einigen Minuten zum Vorschein kommt. Also für Marmelade nicht nur Walderdbeeren nutzen.

Verglichen mit der Gartenerdbeere ist die Walderdbeere viel kleiner, aber auch aromatischer.

Wie unterscheiden sich Garten-, Wald- und Monatserdbeere?

Die Gartenerdbeere (Fragaria ananassa) ist größer als die Walderdbeere. Ihren Beinamen erhielt sie, weil ihr Aroma an Annanas erinnert. Sie ist jedoch keine Züchtung aus der Walderdbeere, sondern entstand Mitte des 18. Jahrhunderts durch die Kreuzung der aromatischen amerikanischen Scharlacherdbeere (F. virginiana) mit der großfruchtigen Chileerdbeere (F. chiloensis). Dies hatte zur Folge, dass die Walderdbeere seit dem 18. Jhd. nahezu nicht mehr kultiviert wurde. Später wurde wieder mit der Walderdbeere gezüchtet. So entstand als Kulturform der Walderdbeere die Monatserdbeere. Die heute kultivierten Formen haben eine im Vergleich zur wildwachsenden Walderdbeere längere Blütezeit und tragen bis zum Frostbeginn Früchte, die auch viel größer sind als die der kleinen Walderdbeere. Inzwischen gibt es über tausend Erdbeersorten. Die alten naturheilkundlichen Rezepte beziehen sich auf die wildwachsende Walderdbeere. Sie können die Rezepte natürlich mit allen Erdbeeren ausprobieren.

Zur Mythologie

Je reifer Erdbeeren sind, desto höher ist ihr Vitamin-C-Gehalt.

Als Nahrungsmittel begleitet die Walderdbeere den Menschen schon seit der Steinzeit. So kannten die alten Griechen die Erdbeere als Heilpflanze bei Leber- und Galleerkrankungen. Erwähnung findet sie auch in den Dichtungen von Plinius, Ovid und Vergil.
Die griechische Mythologie überliefert uns, dass sich die Göttinnen Aphrodite und Persephone beide in den schönen Jüngling Adonis verliebten. Darüber erzürnte Ares, Aphrodites Geliebter, sehr und verwandelte sich in einen Keiler, der Adonis tödliche Wunden zufügte. Adonis verblutete und Aphrodite weinte bittere Tränen. Aus seinem Blut sollen der Sage nach die Anemonen entstanden sein, aus den Tränen die Rosen. Und als Blut und Tränen sich vermischten, wuchsen die Walderdbeeren aus dem Boden.
Bei den Germanen war die Erdbeere die Pflanze der Göttin Freya, die für Frühling, Glück, Fruchtbarkeit, Sexualität, Liebe und Ehe steht. Als Göttin der Mütter soll sie die Seelen verstorbener Kinder in Erdbeeren versteckt haben, um sie so nach Walhalla zu schmuggeln, wo sonst nur gefallene, tapfere Kämpfer ihre Ruhestatt hatten.
In der Malerei des Mittelalters wurde die Erdbeere häufig abgebildet. Da sie gleichzeitig blüht und Früchte trägt, galt sie als Symbol für Unschuld (weiße Blüten) sowie Liebe, Verführung und Sünde (rote Frucht). So huldigten Dichter wie Francois Villon ihr mit einer Ballade („Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund (…)“.

Wertvolle Inhaltsstoffe

Die Walderdbeere hat einen hohen Vitamin- und Mineralstoffgehalt (Vitamin C etwa bis 50 mg/100 g) sowie Anthocyane, die unsere Immunabwehr stärken. Zudem bietet sie viele weitere Vitamine, u.a. B-Vitamine, Vitamin A und K. Sie versorgt uns mit Kalzium, Magnesium, Kalium, Flavonoiden sowie reichlich Folsäure und Eisen. Auch hat sie wenig Fruchtzucker und somit Kalorien. Ihre Blätter und Wurzeln enthalten Gerbstoffe, die zusammenziehend (adstringierend) und austrocknend wirken, und daher etwa bei Durchfall hilfreich sind.

Anwendungen in der Volksheilkunde

Sebastian Kneipp empfahl einen stärkenden Tee aus den Blättern für Kinder, die kränkeln. Erdbeerblätter fanden als Tee getrunken Anwendung bei Magen-Darm-Problemen, Ausschlägen und Fieber. Empfohlen wurde der Tee auch zum Gurgeln bei Hals- und Rachenschmerzen sowie bei Erkältungskrankheiten. Weitere Einsatzgebiete sind etwa Zahnfleischentzündungen und Stoffelwechselprobleme.
Die frische Walderdbeere leistete auch hilfreiche Dienste etwa bei Herzbeschwerden und Blutarmut. Des Weiteren wirkt sie unterstützend bei Gicht und Arthritis.

Rezept
Erdbeertee
Erdbeerblätter pflücken, waschen und trocknen. Für den Tee einen Teelöffel der getrockneten Blätter mit etwa 200 ml kochendem Wasser übergießen. Danach 10 Min. ziehen lassen und abseihen. In kleinen Schlucken trinken.

Feiner Beerentee
Für eine Teemischung geben Sie zu den getrockneten Erdbeerblättern noch Himbeer- und Brombeerblätter dazu, denn sie passen wunderbar zusammen. Und auch aus den getrockneten Beeren können Sie sich wohlschmeckenden Tee zubereiten.

Erfahren Sie mehr über Erdbeeren und ihre Heilwirkung sowie über andere gesunde Sommerbeeren in der NaturApotheke 04/20 ab Seite 52.

geschrieben von
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