Vom Glück, ein Hochbeet zu bauen

Hochbeet bauen
Hochbeet bauen (Bild: Bettina Buschbeck)

Schon länger beneide ich meine Eltern um ihre unerschöpflichen Hochbeete. Sie sind den Sommer über quasi Selbstver- sorger und ernten Unmengen von Gemüse und Salat. Das will ich auch: In der Erde graben und täglich frische Kräuter, knackigen Salat und saftige Erdbeeren genießen.

Statt ein vormontiertes Hochbeet oder einen der etwa 200 Euro teuren Bausätze zu kaufen, sollen es zwei selbst gebaute Beete aus Recycling-Material sein. Und so finden sich Vater als Spiritus rector, Schwester zum Fotografieren und jede Menge neugieriger Kinder zum Hochbeetbau in der Münchner Innenstadt ein. Die Kästen haben wir über eine Anzeige im örtlichen Lokalblatt erworben. Es handelt sich um Verpackungskisten für Elektronikteile aus China. In allen möglichen Formen und Größen stehen sie in ei- nem Schuppen zum Aussuchen, der Preis ist mit unter zehn Euro pro Stück sensationell günstig.

Hochbeet bauen mit Tacker und Leinöl

Da die Kisten ganz einfach sind, roh zusammengefügt und nur mit einem Tacker geheftet, richten wir sie vor dem Gebrauch noch etwas her. Wir verstärken sie rundherum mit Schrauben und zusätzlichen Leisten, insbesondere den Boden, da der bei der schweren Erde und der Feuchtigkeit eines Hochbeets sonst in Kürze durchbricht. Auch schleifen wir das raue Holz ein wenig ab, dann sind die Kisten angenehmer zu handhaben.

Material für ein Hochbeet
Material für ein Hochbeet

Für eine bessere Haltbarkeit lassen wir das Holz großzügig mit Leinöl ein. Im Gegensatz zu Lack sorgt das Öl für Feuchtigkeitsschutz, versiegelt die Oberfläche aber nicht und das Holz kann atmen. Auch die Optik profitiert vom Holzschutz. Das Öl verstärkt das Muster der Maserung und gibt der Kiste einen schönen dunklen Farbton. Leinöl riecht nicht unangenehm und zieht vollkommen ein, sodass man später keine öligen Hände bekommt.

Schutz vor Regen und Gießwasser

Zusätzlich schrauben wir als Schutz vor Regen oder Gießwasser Deck- leisten auf die Oberkanten der Bretter. Die Leisten können nach innen ruhig etwas überstehen, sollten nach außen aber auf jeden Fall bündig abschließen, sonst bleibt man immer wieder an ihnen hängen.Wenn man sie bunt bemalt, zieren die Leisten die Kästen zusätzlich. Schließlich bohren wir einige Abflusslöcher in den Kistenboden, damit kein Wasser in der Kiste stehen bleiben und den Boden zum Faulen bringen kann.

Noppenfolie und ein Zeltdach für das Hochbeet

Bevor wir die Kisten befüllen, kleiden wir sie mit Folie aus. Beim Zu- schneiden sollte man großzügig abmessen und ruhig große Teile überlappen lassen. Das dient als zusätzlicher Schutz und unter der Erde sieht die Überlappungen niemand. Zum Befestigen der Folie dient ein kräftiger Tacker. Damit die Erde später durch ihr Gewicht keine Risse verursacht, sollte die Kiste locker mit Folie ausgelegt werden.

Rückenschonend sollte jedes Hochbeet auf eine angenehme Arbeits- höhe gebracht werden, außerdem bleiben dann unerwünschte Besu- cher wie Schnecken oder Mäuse fern. Dafür eignen sich je nach Grö- ße untergelegte Paletten oder Leisten (6 x 2 cm, gibt es in jedem Baumarkt) von etwa einem Meter Länge, die man nach oben bündig außen seitlich an den Kästen anschraubt: Löcher vorbohren und dann lange Eisenschrauben verwenden, damit das Holz nicht reißt. In jeden Riss dringt irgendwann Wasser ein und zerstört das Holz. Praktisch ist es, unten ein Brett als Ablage einzubauen.

Wer Salat oder anderes Gemüse unter Folie im Hochbeet ziehen will, sollte an jedem Kopfende noch eine weitere Leiste von etwa 50 cm Länge anschrauben und dazwischen eine Schnur spannen. Im Früh- jahr lässt sich so eine Schutzfolie zeltartig über den kleinen Pflänz- chen anbringen, sodass Salat und Gemüse schon sehr früh sprießen. Im Hochbeet, das die Sonnenstrahlen von allen Seiten wärmen, wächst alles deutlich schneller als im kalten Boden. Wer Erbsen oder Bohnen züchten möchte, kann gleich noch ein Rankgerüst an sein Hochbeet schrauben. Unsere beiden Hochbeete haben einen schönen Platz an der Sonnen- seite gefunden. Da sie zur Hälfte unter dem Hausdach stehen, verbrennen die Pflanzen in der Hitze nicht und das Beet wird im vorderen Bereich bei Regen gut durchtränkt. Das erspart häufiges Gießen.

Hochbeet füllen
Hochbeet füllen

Füllung in drei Schichten

Sobald das Hochbeet fest und sicher am gewünschten Ort steht, kann es gefüllt werden. Wir beginnen mit den größten Ästen und Zweigen und verdichten mit kleinen Stücken, bis die Kiste zur Hälfte gefüllt ist. Jetzt dürfen sich die Kinder austoben, indem sie die unteren Schichten feststampfen. Trotzdem bleiben ausreichend kleine Hohl- räume im Schnittgut, damit Wasser abfließt und genug Sauerstoff für ein gutes Bodenleben sorgt.Auf die Äste folgen Laub, Rasenschnitt und Pflanzenabfälle oder Rohkompost. Diese Schicht beginnt bei warmen Temperaturen zu verrotten und sorgt später für zusätzliche Wärme im Hochbeet. Zuletzt folgt eine Schicht aus guter Gartenerde, je nach vorgesehener Bepflanzung kann man Spezialerde für Blumen, Tomaten oder Rosen untermischen. Wir belassen es bei Gartenerde aus Biokompost, wie sie die Stadt München über ihre Wertstoffhöfe anbietet. Auch wenn jede Schicht grob ein Drittel des Volumens im Hochbeet ausmacht, kann beim ersten Befüllen die Drainage-Schicht aus Ästen und Zweigen deutlich dicker und die oberste Schicht aus Gartenerde etwas dünner sein. Nach dem ersten gründlichen Gießen sacken die Schichten nach unten und es muss oben noch Erde aufgeschüttet werden.

Nun kann gepflanzt werden

Sobald das Wetter mitspielt, kann angepflanzt werden: Gemüse, Salat, Kräuter, Erdbeeren – erlaubt ist, was gefällt. Wer nicht auf dem Fensterbrett aus Samen Pflänzchen ziehen mag, findet ab März in vielen Gärtnereien junge Pflanzen.

Die ersten Pflanzen für das Hochbeet
Die ersten Pflanzen für das Hochbeet

Auch wenn die Verlockung groß ist, setzen Sie nicht zu viel ins Beet und geben Sie den kleinen Sprösslingen Raum zum Wachsen. Wir pflanzen im ersten Jahr zu eng und zu viel und entsprechend schießen die letzten Salatköpfe mächtig in die Höhe. Auch Radieschen rächen sich auf diese Weise für zu viel Nähe.

Setzen Sie sonnenhungrige Sorten nach außen und – wenn Ihr Hochbeet wie die unseren unter einem Dach steht – mediterrane Kräuter direkt an die Hauswand, wo sie bei Regen am wenigsten Nässe abbekommen. Die meisten Pflanzen wachsen unverdrossen und unser 80 cm hohes Gemüse-Erdbeer-Kräuterbeet speichert bei Regen auch für trockene Tage ordentlich Nässe, sodass wir nicht allzu viel gießen müssen.

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