Zen oder die Kunst des Brotbackens

Selber Brot backen ist ein wunderbarer Weg der Selbsterkenntnis. (Bild: Susanne Schury)

An alte Tradition anzuknüpfen und Altbewährtes neu zu entdecken, stärkt gerade auch in ungewissen Zeiten. Brotbacken hilft uns, unsere Mitte wiederzufinden und schenkt uns Zuversicht

Einige Zeit ist es nun schon her, dass Susanne und Thomas Schury uns gezeigt haben, wie sie ihr Sauerteigbrot selber backen. Die passionierten Naturkundler und Geomanten, die auf der Fraueninsel im Chiemsee wohnen und dort auch Seminare anbieten, backen seit einigen Jahren und mit großer Freude ihr Brot mit Sauerteig selber. Ihre Begeisterung ist nach wie vor groß, allein der Duft des frischen Brotes erzeugt Wohlbefinden und alle möchten schnell mehr. Eine gute Idee, finden wir! Und vielleicht auch eine gute Anregung, es mit dem Brotbacken mal selber zu probieren…

Ein besonderes Ritual

Zum Start bekommt man den Sauerteig vielleicht geschenkt (wer keinen geschenkt bekommt, kann ihn mit ein bisschen Mut und Einsatz leicht selber herstellen, siehe Rezept). Die Zutaten zum Brotbacken sind neben dem selbst angesetzten Sauerteig gutes Mehl, Wasser und Salz.
Damit wird der Teig angesetzt. Dann ruht er 24 Stunden, bevor er in einem Gußeisentopf mit Deckel im normalen Backofen gebacken wird. Thomas erklärt, da ihr Backofen nur Ober- und Unterhitze hat, liegt auch noch ein Pizzastein im Ofen, der die Hitze gleichmäßig hält.

Es ist ein besonderes Ritual: Das Vorbereiten, das Kneten und das Backen erdet die beiden gut. Schön vorsichtig, damit es keine Blessuren gibt! Da beruhigt man sich, kommt wieder zu sich, besinnt sich auf das Wesentliche. Der Backofen verströmt Wärme, der Duft des Brotes erfüllt das Haus. Auch Gäste und Seminarteilnehmer kommen in den Genuss des frisch gebackenen Brotes.

Nach dem Essen heitert das Brot deutlich die Stimmung auf und erzeugt ein sattes, wohliges Gefühl. Wie im Sauerteig gären auch in uns verschiedene Themen, die wir symbolisch mit der Wandlung in Brot verträglich machen können. Die Gedanken und Wünsche für das tägliche Brot sind zu schmecken und zu spüren.

Sauerteigbrot ist gut verträglich

Susanne erzählt, dass viele ihrer Kursteilnehmer, die Unverträglichkeiten oder Bauchbeschwerden haben, feststellen, dass diese nach dem Genuss des selbst gebackenen Sauerteigbrotes nicht aufgetreten sind.
Wer sich schon mal mit Mehl befasst hat, weiß, dass sich gerade Vollkornmehl schlecht aufschließen lässt, da im Korn ein „Antifressschutz“ enthalten ist, den wir nicht verstoffwechseln können. Nach dem Prozess der Fermentation mit Sauerteig ist das Mehl für uns gut verwertbar. Zudem sind im selbst gebackenen Brot keine anderen Zusätze enthalten.

Susanne und Thomas möchten das Brotbacken nicht mehr missen, ist es doch ein uraltes Ritual auf der ganzen Welt. Es gibt Sauerteige, die hundert Jahre alt sind und von Generation zu Generation weitergegeben werden. Kostbar und wertvoll, Lebenskraft pur!

Inzwischen gibt es viele Backanleitungen, eine gute Empfehlung für den Einstieg ist etwa das Buch von Lutz Geissler, der auch als Quereinsteiger die Liebe zum Brotbacken entdeckt hat: „Brot backen in Perfektion mit Sauerteig“. Es bietet 60 Sauerteigklassiker.

Jedes Brot ist anders

Ist der Einstieg gut geschafft, kommt schnell die eigene Entwicklung, der eigene Stil. Susanne sieht es so: „Das Backen des Brotes ist ein wunderbarer Weg der Selbsterkenntnis und die eigene Erfahrung der beste Lehrmeister. Das beste Beispiel sind unsere Großmütter, die irgendwann keine Waage mehr brauchten und nach Gefühl genau das richtige Brot zum passenden Zeitpunkt geschaffen haben. An Vollmond wird das Brot anders gedeihen als zu Neumond. Wenn ich gut drauf bin, kommt es anders aus dem Ofen, als wenn ich eilig war. Liebe geht durch den Magen und das Brot hilft mir, an meiner Einstellung, an meiner Stimmung zu arbeiten und den Dank und Segen für dieses wunderbare Lebensmittel nicht zu vergessen.“

Selbstgebackenes aus Sauerteig ist gut verträglich und köstlich.

Grundrezept für Sauerteig

Susanne und Thomas haben für ihre Verwendung und ihre Landschaft einen Sauerteig entwickelt, der sich für sie bewährt hat. Freundlicherweise stellen sie uns das Rezept zur Verfügung, das eine Mischung aus bayerischer und Südtiroler-Anwendung ist.

Die Möglichkeiten sind vielfältig, es ist gut, auch seine eigenen Ideen zu entwickeln und die beste Mischung für sich selbst herauszufinden:

Zutaten
  • für den ersten Ansatz 100 ml gutes Wasser aus der Region
  • 50 g Weizenmehl (Typ 850)
  • 50 g Roggenmehl (Typ 1150)
  • ein Glas für circa 500 ml
Zubereitung

Die Zutaten am Abend mischen und das Glas (es muss nicht fest verschlossen werden) über Nacht bei Zimmertemperatur (24 Grad Celsius) stehen lassen oder in den Backofen mit eingeschaltetem Licht stellen.
In diese Mischung am nächsten Tag wieder 100 ml Wasser, 50 g Weizen- und 50 g Roggenmehl geben und erneut über Nacht stehen lassen.
Am dritten Tag von der Mischung 20 g wegnehmen und die 20 g Sauerteig in ein neues Glas hineingeben mit 100 ml Wasser, 50 g Weizen- und 50 g Roggenmehl, ebenfalls wieder am Abend. Über Nacht stehen lassen.
Nun ist unser Sauerteig fertig zum Backen.
Reste vom Sauerteig sind übrigens ein wunderbarer Dünger oder Stärkung für den Kompost, die bekannten Mittel aus EM (Effektive Mikroorganismen) sind nichts anderes…

Siehe dazu auch NaturApotheke 04/2020.

geschrieben von
Mehr von Kerstin Möller

Die Kornelkirsche: Früher Frühlingszauber

Vor meinem Küchenfenster steht ein Kornelkirschenstrauch und zu meiner großen Freude fängt...
weiterlesen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.