Der Korbiniansapfel

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Immer paarweise malte Korbinian Aigner zahlreiche Apfelsorten. (Bild: Korbinian Eigner)
Der Korbiniansapfel erinnert an den Apfelpfarrer Korbinian Aigner.

Der Korbiniansapfel gehört zu einer von vier Apfelsorten, die Pfarrer Korbinian Aigner während seiner Inhaftierung im Konzentrationsla-
ger Dachau aus Sämlingen züchtete. Die Sorten nummerierte er KZ-1,
KZ-2, KZ-3 und KZ-4. Es gelang ihm, diese noch während der Haftzeit aus dem Lager zu schmuggeln. Bis heute erhalten blieb die Sorte KZ-3, die 1985 zum 100. Geburtstag von Korbinian Aigner in „Korbiniansapfel“ umbenannt wurde.

Korbinian Aigner: Apfelfreund und wacher Geist

Korbinian Aigner, auch der „Apfelpfarrer“ genannt, wurde 1885 im oberbayrischen Hohenpolding geboren und starb 1966 in Freising. Schon früh begeisterte sich der Sohn eines Großbauern für den Obstanbau und gründete mit 23 Jahren einen Obstbauverein. 1911 wurde er zum Pfarrer ernannt, 1930 wurde er Präsident des Obst- und Gartenbauvereins Oberbayern. Aigner war auch politisch ein wacher Geist. Nachdem er 1923 eine Veranstaltung der NSDAP besucht und dort eine Rede von Adolf Hitler gehört hatte, kämpfte er fortan gegen die Nationalsozialisten. In seinen Predigten nahm er deutlich Stellung, woraufhin Geldstrafen und eine Strafversetzung folgten.

Als Korbinian Aigner das Attentat von Georg Elser auf Hitler im November 1939 mit dem Ausspruch: „Ich weiß nicht,
ob das Sünde ist, was der Attentäter im Sinn hatte. Dann wäre halt vielleicht eine Million Menschen gerettet worden“ kommentierte, wurde er verhaftet und zu sieben Monaten Gefängnis verurteilt. Kurz vor Ende der Haftzeit kam Aigner ins Konzentrationslager Dachau, ein Vierteljahr später wurde er nach Sachsenhausen deportiert, wo er beinahe einer Lungenentzündung erlag. Im Oktober 1941 wurde er wieder nach Dachau gebracht und dort im „Priesterblock“ inhaftiert.

Sämlinge als stilles Zeichen des Widerstandes

Im Lager gab es eine Kräuterplantage. Dort gelang es dem Zwangsarbeiter Korbinian Aigner, als stilles Zeichen des Widerstands von den Nazis unbemerkt aus Apfelkernen Sämlinge zu ziehen und sogar neue Sorten zu züchten. Ein Zeichen des Lebens an einem Ort des Grauens und des Todes. 1945, nur wenige Tage vor Kriegsende, konnte er fliehen.

Malen und Pflanzen als Dienst an der Schöpfung

Nach dem Krieg trat er seine Pfarrstelle wieder an und übernahm den Vorsitz des Bayerischen Verbandes für Obst- und Gartenbau. Unter anderem besorgte er sich Äpfel von so vielen Sorten wie möglich, von denen er jeweils zwei Stück nebeneinander mit einfachen Wasserfarben in Postkartengröße malte. Birnen malte er ebenfalls. Daraus entstand eine umfangreiche Sammlung, die er mitnahm, wenn er über Land zu den Bauern fuhr. Für Aigner war der Dienst an der Schöpfung, ob Obstberatungen oder das Anpflanzen von Obstbäumen in Plantagen und Alleen, genauso wichtig wie sein Dienst als Geistlicher. Über die Zeit seiner Inhaftierung sprach er nie, den Mantel mit dem roten Winkel für politische Gefangene trug er aber zeitlebens und darin wurde er auch beerdigt, als er mit 81 Jahren starb.

Korbiniansapfelbäume
2010 setzte der Bayrische Landesverband für Gartenbau und Lan- despflege zu Ehren von Korbinian Aigner einen Korbiniansapfel auf dem Gelände der Burg Schwaneck
2012 wurde anlässlich der Documenta XIII in der Kasseler Karlsaue ein Korbiniansapfelbaum gepflanzt
2013 wurden drei Korbiniansapfelbäume zum Gedenken an die Opfer der Euthanasiemorde in der NS-Zeit beim Denkmal in Berlin-Buch, Hobrechtsfelder Chaussee 150 (ehemalige Dr.-Heim-Heil- stätten), gepflanzt

Wenn Sie weitere Korbiniansapfelbäume finden, würden wir uns freuen, wenn Sie uns eine Nachricht schicken an redaktion@naturapotheke-magazin.de

geschrieben von
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