Wohlgehütete Schätze im Apfelmuseum

Apfelmuseum
Apfelmuseum (Bild: Apfelmuseum)

Karin und Meinolf Hammerschmidt geben in ihrem Apfelmuseum, dem Pomarium Anglicum, Einblicke in die Welt alter Obstsorten. Auf zwei Hektar findet man dort Äpfel, Birnen und vieles mehr – und auch so manche Geschichte, die sich um die Traditionssorten rankt

Am Anfang war der Apfel. Der Angelner Herrenapfel, um genau zu sein. Denn im idyllischen Sörup, unweit vom Obstmuseum entfernt, gab es den weit und breit einzigen Angelner-Herrenapfel-Baum, der 1987 bereits 150 Jahre alt war. Zu schade, wenn diese Sorte in der Region verloren ginge, dachte sich Meinolf Hammerschmidt. Er begann, Reiser des Apfelbaums auf „junge Füße“ zu veredeln und brachte die jungen Bäume unter die Leute – das fand überaus positiven Anklang. Aus dem Hobby wurde schnell eine tiefe Leidenschaft: weitere alte Obstsorten und ihre Geschichten finden. Und das ist Meinolf Hammerschmidt und seiner Frau Karin gelungen. „Unser Ziel ist es, die Biodiversität zu erhalten und die Genvielfalt für die Zukunft zu sichern“, betont Karin Hammerschmidt.

Altes Wissen neu entdecken

Die Familie sammelte weiter und es entstand eine Baum- schule. „Die Leute waren begeistert, schließlich fanden sie bei uns die Sorten ihrer Eltern und Großeltern“, erzählt Meinolf Hammerschmidt. Je mehr Sorten von der Bildfläche verschwanden, desto mehr Traditionen und Verwendungen gingen auch verloren. „Heutzutage weiß fast niemand, dass sich der Süderhecks perfekt als Beilage zu Fleisch eignet. Der Borsdorfer dagegen ist ideal für Kompott, da er bissfest und weiß bleibt“, erzählt Karin Hammerschmidt. Die Familie möchte dieses alte Wissen aufgreifen und weiterverbreiten.

Obst aus der ganzen Welt

Die Baumschule wurde 2014 geschlossen, heute ist das knapp zwei Hektar große Areal ein wunderschöner Schauplatz mit liebevoll gestalteten Themengärten. Die Sammlung der Hammerschmidts umfasst 700 verschiedene Apfelsorten, etwa 150 Birnensorten sowie Quitten, Kirschen, Mispeln, aber auch Feigen, Kiwis und vieles mehr. „Anfangs haben wir versucht, regional zu bleiben“, schmunzelt Meinolf Hammerschmidt. Mittlerweile gedeihen in Winderatt Obstpflanzen aus der ganzen Welt.
Doch was passiert mit den ganzen Früchten, die hier im Pomarium wachsen? „Der Großteil wird für Verkostungen im Rahmen unserer Führungen verwendet“, verrät Hammerschmidt. Des Weiteren produziert die Familie selbst Saft, ein Teil der Ernte wird an „Die Tafel“ geliefert. Das Pomarium arbeitet außerdem mit dem Allergiezentrum der Charité Berlin zusammen, das Äpfel für Forschungen zur Verträglichkeit von Apfelsorten benötigt (siehe Infokasten).

• Obstmuseum Pomarium Anglicum, Winderattfeld, 24966 Sörup. • Geöffnet: 3.8.–14.10., jeweils von 11 bis 17 Uhr. • Nähere Infos unter www.alte-obstsorten.de

Noch ein Tipp bei Apfelallergie

Betroffene reagieren auf gewisse Apfelsorten, insbesondere typische Supermarktsorten, allergisch. Laut einer Studie der Charité Berlin in Kooperation mit dem Bund Lemgo und Obstbauern aus Deutschland, kann der regelmäßige Konsum von verträglichen Äpfeln Allergiebeschwerden lindern. Interessierte finden unter bund-lemgo.de/apfelallergie.html sogar eine Sortenliste, in der verträgliche und unverträgliche Äpfel ausgewiesen sind.

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