Die Kornelkirsche: Früher Frühlingszauber

Die Kornelkirsche blüht schon im März/April. (Bild: Pixabay / manfredrichter)

Vor meinem Küchenfenster steht ein Kornelkirschenstrauch und zu meiner großen Freude fängt er nach der Winterpause nun wieder an auszutreiben. Das Leben rührt sich in dem alten Gewächs und in wenigen Wochen wird es voll in Blüte stehen – noch vor den Forsythien.

In diesen Tagen ist es gerade grau und regnerisch draußen, so nutze ich die Zeit, um den Frühling schon etwas herbeizuträumen, schmökere in älteren Ausgaben der NaturApotheke und will mehr über die Kornelkirsche in Erfahrung bringen.

Mit der frühen Blüte ist der Kornelkirschenstrauch ein wertvoller Nahrungslieferant für Insekten. Und aus Baden kommt beispielsweise der Brauch des „Küchlestrußes“. Dabei wurden dünne Blütenzweige der Kornelkirsche in Teig getaucht und dann in heißem Fett frittiert. Im 19. Jahrhundert schätzte man wohlschmeckenden Tee aus getrockneten, jungen Blättern der Kornelkirsche, vermischt mit jungen Blättern der Sauerkirsche und wilden Erdbeere. Die Früchte der Kornelkirsche sind reich an Vitamin C. Ob roh oder gekocht verzehrt, stärken sie das Verdauungssystem nachhaltig.Weitere Einsatzgebiete in der Volksheilkunde sind etwa Magen-Darm-Beschwerden, Glutenunverträglichkeit oder der Schutz der Schleimhäute und Blutgefäße. Dankbar und voller Vorfreude schau ich wieder auf den alten Kornelkirschenstrauch vor dem Fenster und hab den grauen Tag und seine Tristesse ganz vergessen.

Die Kornelkirsche in der Hildegard-Heilkunde

In der Volksheilkunde fand die Kornelkirsche vielseitig Einsatz. Hildegard von Bingen beschreibt in ihrem Werk „Physica“ die Heilkraft des „Erlizbaums“. Sie empfiehlt ein Bad aus Rinde, Holz und Blättern gegen Gicht und die Frucht bei Ma- genleiden. In der Hildegard-Heilkunde wird die Kornelkirsche bis heute empfohlen. Etwa bei Colitis (Dickdarmentzündung): „Roh, als Marmelade, als Gelee, als Mus oder in jeder beliebigen Zubereitung verspeisen. Kornelkirschen reinigen und festigen den Verdauungstrakt. Innerhalb weniger Monate kann Colitis mithilfe von Kornelkirschen, ausschließlicher Dinkelkost und begleitender Hildegard-Thera- pie gelindert, sogar geheilt werden.“

Und ein Rezept bei Zöliakie (Glutenunverträglichkeit) lautet: „Täglich eine Portion Kornelkirschen essen, egal in welcher Form, ob roh oder gekocht, als Marmelade, Mus oder Gelee. Kornelkirschen reinigen und stärken das angeschlagene Verdauungssystem und fördern dessen Gesundheit. Sie sind ein Langzeittherapeutikum und sollen über Monate hinweg täglich verwendet wer- den.“

(Beide Rezepte aus dem Buch des Heilpraktikers Reinhard Schiller: „Hildegard Medizin Praxis“, 1990).

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