Blühwiesen und Bienenweiden anlegen

Sommerwiese
Sommerwiese (Bild: Pixabay)

Insekten brauchen Blumen und Blüten. Da hilft ein bunter Blumenbalkon genauso wie eine große Sommerwiese. Mit unseren Tipps haben Bienen wie Menschen Freude an den Pflanzen.

Kurz nach der großen Petition für besseren Artenschutz entstanden zahlreiche Initiativen, die versprachen, Insektenfreundliche Blühwiesen anzulegen. Gärtner boten spezielle Samenmischungen für Schmetterlings- und Bienenwiesen sowie Samenbomben für triste Rasenstreifen an. Mittlerweile ist das Thema wieder etwas in den Hintergrund geraten, daher wollen wir es hervorholen. Umso mehr es seit März 2020 eine Gesetzesänderung untersagt, “nicht aus dem Vorkommensgebiet stammendes Saat-/Pflanzgut” in der freien Landschaft auszusäen, (§40 (1)Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG). Ausnahmen muss die zuständige Naturschutzbehörde genehmigen.

Was der Bauer nicht kennt, dass frisst er nicht – das gilt auch für Bienen

Nicht jede bunte Blumenwiese ist eine echte Blühwiese, nicht jede nektarreiche Blume rettet Insekten. Während sich Honigbienen auf viele pollen- und nektarreiche Pflanzen stürzen und dabei mit wucherndem Springkraut (Seite 108) ebenso zufrieden sind wie mit großen Rapsfeldern, sind die extrem bedrohten Wildbienenarten auf regionale Wildblumen angewiesen – oftmals nur auf eine einzige Pflanze wie etwa die Natterkopf-Mauerbiene auf den Natterkopf. Verschwinden Pflanze oder Insekt, kann der Partner ebenfalls nicht fortbestehen, auch weil Wildbienen im Gegensatz zur flugtüchtigen Honigbiene nur einen kleinen Radius bei der Nahrungssuche bewältigen.

Blühwiesen für Wildbienen
Blühwiesen für Wildbienen

Artenvielfalt mit regionalen Blühwiesen fördern

Deutschland ist in 22 regionale Wildpflanzenzonen aufgeteilt. Da gilt es nicht nur, Flora des Sächsischen Löß- und Hügellandes ebenso zu berücksichtigen wie die des Thüringer Waldes oder der Fränkischen Alb. Selbst überall wachsende Arten wie die Lichtnelke weisen regional unterschiedliches Erbgut auf und lassen sich nicht flächendeckend aussäen. Damit viele Insekten überleben können, braucht es Blumenwiesen mit unterschiedlicher Bodenbeschaffenheit (mager, sandig, moosig, feucht).

Samenmischungen passend zum Boden

Samenmischungen müssen ökologische wie regionale Anforderungen erfüllen, sonst wachsen aus den Samen nur wenige Stengel oder die Insekten bleiben aus. „Viele im Handel befindliche Mischungen sind aus Sicht unserer Insekten eine reine Mogelpackung.“ So ist es auf der Webseite Naturgartenfreunde.de zu lesen: „Der Schwerpunkt liegt fast ausschließlich auf dem Show-Effekt der Blüten, nicht auf dem ökologischen Nutzen. Zu diesem Zweck werden viele Pflanzenarten mit gefüllten Blüten verwendet, bei denen die Pollen produzierenden Staubblätter zu sterilen Blütenblättern umgewandelt sind. Derartige Blüten locken Insekten zwar an, bieten dann aber keinerlei Pollen.“

So wichtig wie die Wahl der richtigen Blühpflanzen ist es, den Lebensraum der kleinen Brummer zu erhalten. Was nützt der Sandbiene ein Meer von bunten Blumen, wenn sie keine Nisthöhlen graben kann? Und was hilft der Wollbiene die Samenmischung aus dem Supermarkt, wenn sie nicht flaumhaarige Pflanzen wie die Königskerze enthält, die sie für ihren Nestbau braucht?

Nachhaltige Hilfe von den Landwirten

Wer Biotope schaffen will, muss sich auskennen und viele Jahre Arbeit investieren. Blühwiesen müssen richtig angelegt, gepflegt und geschützt werden, damit beispielsweise keine verfrühte Mahd den Insekten die Nahrung nimmt oder die nektarreichen Blumen im Magen von Kuh, Ziege oder Schaf landen.

Tipp: Hier finden Sie regionale Samenmischungen

Je nach Region und Boden stellen spezielle Anbieter wie Rieger-Hofmann Samenpakete zusammen. So besteht beispielsweise die Mischung Nr. 2 „Frischwiese/Fettwiese“ zu 30 Prozent aus Blumen wie Rotklee, Löwenzahn, Klatschmohn, Wilde Möhre, Wiesenkerbel oder Glockenblume und zu 70 Prozent aus Gräsern, darunter Ruchgras, Glatt- und Goldhafer, Wiesen Fuchsschwanz oder Wiesenschwengel. Sie ist genau abgestimmt auf das Erz- und Elbsandsteingebirge. Die richtige Samenmischung für Ihre Region und viele Infos zum Thema finden Sie beispielsweise unter www.rieger-hofmann.de oder bei den Naturgartenfreunden.


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