Fastenmethoden für zu Hause

Jetzt beginnt die Fastenzeit
Jetzt beginnt die Fastenzeit (Bild: Unsplash)

In der christlichen Tradition folgt die Fastenzeit auf die Ausschweifungen des Karnevals. 40 Tage lang – vom Aschermittwoch bis zum Ostersonntag – steht das tägliche Leben unter dem Motto des Verzichts. Während die Fastenzeit früher bestimmt war von zahlreichen Regeln und Verstöße teils streng bestraft wurden, kann heute jeder selbst bestimmen, worauf er verzichten möchte: auf feste Nahrung, auf Alkohol, auf schlechte Angewohnheiten wie übermäßigen Medienkonsum oder ausgiebiges Shopping

In diesem Jahr fasten übrigens Gläubige auf der ganzen Welt gemeinsam, da die christliche Fastenzeit sich mit dem Fastenmonat Ramadan überschneidet. Im Islam haben sich die Fastenregeln bis heute nicht geändert: von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang wird auf Essen und Trinken, auf Genussmittel wie Zigaretten und mehr verzichtet.

Vor allem in Klöstern waren die Fastenden strengen Vorschriften unterworfen. Dass nicht jeder bereit war, seinen Geist zu läutern und etwa auf Fleisch, Eier und Milchprodukte zu verzichten, zeigen Gerichte wie Maultaschen, die in vielen Regionen Herrgottsbscheißerle heißen, weil die verbotenen Zutaten in ihrem Inneren versteckt wurden. Auch die Starkbierzeit hat ihren Ursprung im Fasten. Denn die Mönche brauten das gehaltvolle Bier als Ausgleich zum Nahrungsverzicht.

Wer die Fastenzeit ganz traditionell mit einem Essensverzicht begehen möchte, der findet hier eine Übersicht geeeigneter Fastenmethoden für zu Hause.

Wechsel zwischen Essen und Fasten in Intervallen
Wechsel zwischen Essen und Fasten in Intervallen

1. Intervallfasten

Intervallfasten oder auch intermittierendes Fasten gewinnt bei allen, die keine Lust auf eine komplette Nahrungsumstellung haben. Nach einem festen Rhythmus darf täglich innerhalb von acht Stunden normal gegessen werden, während der restlichen 16 Stunden gönnt man dem Magen Ruhe. Eine andere Methode ist es, an zwei von fünf Tagen auf feste Nahrung zu verzichten und nur Wasser oder ungesüßte Tees zu trinken. Nach der anfänglichen Begeisterung über das Intervallfasten finden sich mittlerweile auch Experten, die diese Form des Fastens für weniger empfehlenswert halten. So rät beispielsweise die Krankenkasse AOK auf ihrer Webseite: „Bislang vorliegende Studien deuten darauf hin, dass Intervallfasten positive gesundheitliche Effekte haben könnte und bei der Gewichtsabnahme hilft. In Tierstudien wurde gezeigt, dass Intervallfasten das Risiko für chronische Krankheiten, wie Diabetes mellitus Typ 2 und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, senken kann. Ein weiterer Vorteil könnte sein, dass im Gegensatz zu Diäten mit einer kontinuierlich reduzierten Kalorienzufuhr weniger fettfreie Masse (u.a. Muskulatur) abgebaut wird. Am Menschen ist das Intervallfasten allerdings noch nicht ausreichend untersucht und die dazu vorliegenden Studienergebnisse sind nicht eindeutig. Zudem fehlen noch Studien zur Langzeitwirkung des Intervallfastens.“

Unsere Empfehlung: Einmal verzichten und dann wieder schlemmen, das bringt nichts. Nur wer auch zu den Zeiten, in denen er essen darf, auf seine Ernährung achtet, wird diese Fastenform als Erfolg empfinden.

Ein Wochenende mit puren Obst- und Gemüsesäften
Ein Wochenende mit puren Obst- und Gemüsesäften

2. Suppenfasten und Saftfasten

Bei beiden Varianten soll der bewusste Verzicht auf feste Nahrung den Körper entgiften und entlasten. Das Suppenfasten dauert meist 7–9 Tage, an denen ausschließlich warme und kalte Suppen mit reichlich Gemüseund Obst auf den Tisch kommen.
Das kalorienärmere Saftfasten ist ideal für ein Wochenende, an dem täglich bis zu sieben Gläser frische Obst- und Gemüsesäfte getrunken werden. Dazu gibt es reichlich Wasser und Tee. Es soll den Stoffwechsel entlasten und das natürliche basische Gleichgewicht des Körpers wiederherstellen.

Unsere Empfehlung: Wer eine Familie hat, wird sich schwer tun, alle für eine Woche auf Suppendiät zu setzen. Sonst ist das Suppenfasten gerade im Winter eine gute Sache. Ein Wochenende mit Saftfasten ist gerade im Frühling gut einzuschieben.

Basenfasten: weniger zum Abnehmen als zum Entsäuern
Basenfasten: weniger zum Abnehmen als zum Entsäuern

3. Basenfasten

Wenn man sich müde und kraftlos fühlt und der Körper einfach nicht fit zu sein scheint, könnte dies nach der Theorie der basischen Ernährung an einem übersäuerten Organismus liegen. Gründe sind eine Fehlernährung mit zu viel säurebildenden Lebensmitteln, aber auch Stress, zu wenig oder zu viel Bewegung können dem Körper sauer aufstoßen. Eine Basenkur kann helfen, den Säure-Basen-Haushalt auszugleichen. Dafür ernährt man sich eine Woche lang nur von basischen Lebensmitteln wie Obst, Gemüse, Samen, Nüssen oder Pilzen. Nicht auf den Teller kommt alles Säurehaltige wie Getreide und tierisches Eiweiß. Dazu trinkt man jeden Tag zwei bis drei Liter stilles Wasser.

Unsere Empfehlung: Basenfasten ist eine gesunde Ernährungsform, keine Diät. Wer häufig unter Haut- oder Verdauungsproblemen sowie Gelenk- und Muskelschmerzen leidet, sollte probieren, ob sich die Leiden mit einer basischen Ernährung bessern. Eine gute Quelle für Infos und Rezepte ist der Blog www.basenfasten.de. Wer nicht selber kochen mag, dem liefern Anbieter wie Basenbox in einem Abo täglich frische Kurpakete mit basischen Mahlzeiten wie Suppen, Salaten, Porridges und Eintöpfen.

Eine strenge Fastenkur setzt nur auf Tees
Eine strenge Fastenkur setzt nur auf Tees

4. Teefasten

Diese strenge Form des Heilfastens verzichtet komplett auf feste Nahrung. Darum ist sie nur für gesunde Menschen geeignet, die sich zuvor das „Go“ von ihrem Hausarzt einholen sollten. Während der Fastendauer von zwei bis drei Tagen reduziert sich die Kalorienaufnahme auf Null. Getrunken werden ausschließlich drei bis fünf Liter Tee am Tag. Die große Flüssigkeitsmenge soll ein Sättigungsgefühl erzeugen und Giftstoffe schnell aus dem Körper leiten. Während der Fastentage sollten die Teesorten abwechslungsreich sowie von hoher Qualität ohne Zusätze wie Farbstoffe oder Aromen sein, etwa Holunderblüten- und Lindenblütentee oder der magenfreundliche Kamillentee. Zum Süßen eignet sich im Notfall eine kleine Menge Honig. Wichtig: Vor und nach der Fastenzeit sollte der Körper mit vitaminreicher Schonkost langsam an die Nahrungsumstellung gewöhnt werden.

Unsere Empfehlung: Lassen Sie sich vor einem solchen Fastenwochenende bei der Auswahl der Tees von Ihrem Arzt, Heilpraktiker oder Apotheker beraten. Probieren Sie vorab, ob Ihnen die empfohlenen Tees auch schmecken.

Auch das ayurvedische Fasten setzt auf Gemüsesuppen
Auch das ayurvedische Fasten setzt auf Gemüsesuppen

5. Ayurvedisches Fasten

Sogenanntes „Null-Fasten“ empfiehlt die traditionelle Heillehre Ayurveda nur selten, da es die Verdauungskraft (Agni) reduziert und den „Vata-Typ“ erhöht. Das Gleichgewicht der Ayurveda-Typen (Doshas) Vata, Pitta und Kapha soll aber immer im Körper ausgeglichen sein. So empfiehlt die indische Heillehre eher, eine Zeit lang die Nahrungsaufnahme zu reduzieren. Zum Beispiel indem man auf das Frühstück verzichtet und abends eine Gemüsesuppe zu sich nimmt. Mittags setzt die ayurvedische Fastenkunde auf strikt vegane Kost wie etwa gelbe Mungbohnen, Dals oder Suppen.

Unsere Empfehlung: Im Ayurveda ist auch beim Fasten erstes Ziel, die Energien wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Dies erfordert bei jedem Typen ein anderes Herangehen. Daher sollte man im ersten Schritt seinen Konstitutionstypen bestimmen, etwa unter www.padma-typentest.de.

Hildegard Fasten Klassiker: Dinkelgrießsuppe
Hildegard Fasten Klassiker: Dinkelgrießsuppe

6. Fasten nach Hildegard von Bingen

Die Äbtissin und Naturärztin (1098–1179) hat ebenfalls eine Fastenkur entwickelt. Der Verzicht auf Nahrung sollte allerdings den Kontakt zur Seele und die innere Einkehr erleichtern, das Abnehmen stand im Hintergrund. Nach Hildegards Empfehlung isst man ein bis zweimal täglich eine Gemüsebrühe mit Dinkelschrot und vielen frischen Kräutern. Dazu gibt es vor allem gedünstete Äpfel, viel Fencheltee und ausreichend Bewegung. Bis zu 800 Kalorien am Tag darf man im Rahmen der Hildegard-von-Bingen-Fastenkur zu sich nehmen, daher sollte man sie nicht länger als fünf Tage anwenden. Typische Gerichte einer Fastenkur nach Hildegard von Bingen sind der Birnbrei oder Bärwurzbirnhonig, Dinkel-Grießsuppe oder das Habermus. Begleitend empfehlen sich Leberwickel, Meditation oder Reinigungsrituale wie das Betraf-Ziehen.

Unsere Empfehlung: Das Fasten nach Hildegard ist ob der besonderen Zutaten und Anwendungen aufwändiger als andere Fastenformen und die Entscheidung dafür sollte gut überlegt sein. Eine gute Einführung und Begleitung ist beispielsweise das Bauch „Hildegard von Bingen Einfach fasten“ Bon Brigitte Pregenzer und Brigitte Schmidle. Wer nicht alle Hildegard-Zutaten einzeln erwerben möchte, ist mit einem Fastenpaket wie es der Hildegard-Spezialist Gutsmiedl anbietet gut bedient. Es enthält unter anderem passende Tees, ein Kräuterkissen für Leberwickel, Bärwurz Birnenhonig Mischpulver sowie Flohsamenschalen.

Hinweis: Aus Sicht der Naturheilkunde ist eine Ausleitung von Schlackenstof- fen, also eine Entgiftung und Stärkung der Ausleitungsorgane unerlässlich, um einen Rebound-Effekt zu verhindern. Sonst versucht der Körper, schnell wie- der Fett und Wasser einzulagern.

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