Kaum ein Immuntipp kommt ohne Ingwer aus. Seine Inhaltsstoffe, allen voran die Gingerole, wirken antiviral, hemmen Entzündungen und bringen den Darm auf Trab. 2026 wurde die Knolle zur Arzneiplfanze des Jahres ernannt, weil ihre gesundheitsfördernde Wirkung nach einer Neubewertung noch vielfältiger ist als zuvor.
Bei uns heißt das „Oberkante Unterlippe“ – dieses Gefühl von Übelkeit, das gerade noch auszuhalten ist, aber stetig latent lauert. Es tritt beim Reisen auf, nach unverträglichen Mahlzeiten, durchfeierten Nächten oder während der Schwangerschaft. Wie gut, wenn es im Haushalt heißes Wasser, eine Zitrone und eine Ingwerknolle gibt. Denn damit sind schon alle Zutaten für ein sehr wirksames Mittel gegen diese Übelkeit vorhanden. Und die Abwehrkräfte erhalten damit auch gleich einen kräftigen Schub.
Laut Neubewertung durch den Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel (HMPC) der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) werden dem Ingwer neben dem “traditional use” bei Übelkeit und leichten Magen-Darm-Beschwerden neu eine vorbeugende Wirkung bei Appetitlosigkeit, leichten Gelenkschmerzen und Erkältungssymptomen zugeordnet.
Tipp: Die Onkologie der München-Klinik setzt gegen die Übelkeit bei Schluckbeschwerden unter anderem auf Aromatherapie: Ingweröl in der Duftlampe mit Wasser verdampfen lassen.

Die Pflanze
Die meisten kennen nur die knubbelige hellbraune Knolle des Ingwers (botanischer Name: Zingiber officinale) mit ihrem gelben, stark faserigen Inneren. Genauer gesagt, sein Rhizom. Solche unterirdischen Sprossen wachsen horizontal. Aus den für Ingwer so typischen Knoten können dann neue Pflanzen wachsen. Sie haben ebensolche Augen wie eine Kartoffel – und wie bei der Kartoffel dient die Wurzel als Nahrungsspeicher für die Pflanze. Das macht sie für uns so wertvoll. Aus der Pflanze wachsen schmale bis zu einem Meter hohe, schilfähnliche Blätter. Werden sie gelb, kann der Ingwer geerntet werden.
Tipp: Ingwer lässt sich prima zu Hause züchten. Dazu eine frische Knolle in einen verschließbaren Gefrierbeutel geben und in die Sonne legen, bis sich Sprosse zeigen. Der Beutel fungiert wie ein Gewächshaus. Anschließend einpflanzen und an einen hellen Platz stellen. Feucht halten.
Altes Heilwissen
Der Ingwer stammt aus Indien und China. In der ayurvedischen Heilkunde gilt Ingwer als Allheilmittel, weil er vor Übelkeit schützt, das Agni, das Verdauungsfeuer, anregt, schweißtreibend wirkt und sowohl die Galle als auch die Atmung auf Trab bringt. Das Ayurveda unterscheidet zwischen Ingwer als Pulver (Shunti) und der frischen Knolle (Ardraka). Beide wirken ähnlich, aber während das Pulver einen eher süßlichen Nachgeschmack hat, ist der der Knolle scharf.

Ingwerwasser
Lassen Sie 10 dünne Scheiben einer frischen ungeschälten Bio-Ingwerknolle und ein Viertel Biozitrone 10 Minuten lang in heißem Wasser köcheln. Abgießen und trinken. Je länger der Tee zieht, umso schärfer wird er. Im Ayurveda soll Ingwerwasser nur bis Mittag getrunken werden, da es belebt und anregt.
Später brachten ihn die Römer nach Europa, wo ihn unter anderem auch Hildegard von Bingen nutzte, um ihren „Fastenkeks“ zu backen, mit dem sie in Fastentage startete: „Bevor er den Ingwer-Keks nimmt, soll er sich, wenn er kalt ist, vorher am Feuer erwärmen und dann erst nehmen und nach der Einnahme eine Zeitlang wachend auf dem Bett ausruhen, und nach dem Aufstehen langsam hin und her gehen, jedoch so, daß die Kälte ihm nicht schadet.“

Ingwershot
Zutaten:
› 100 g Bio-Ingwerknolle
› 2 Biozitronen
› 100 ml Bioapfelsaft
› 50 ml Agavendicksaft oder
Biohonig
› 1 TL Zimt oder Kurkuma
Zubereitung:
Den geschälten Ingwer in Stücke schneiden, die Zitronen auspressen. Alle Zutaten pürieren und durch ein Sieb in eine Glasflasche füllen. Im Kühlschrank ist der Shot einige Tage haltbar. Täglich 50–100 ml pur oder verdünnt trinken.
Wer es schafft, trinkt den Shot mit den Ingwerfasern. Sie sind hervorragende Ballaststoffe für den Magen (Quelle: AOK Sachsen)
Die Inhaltsstoffe des Ingwers
Ingwer enthält viel Vitamin C und ist reich an Magnesium, Eisen, Kalzium, Natrium, Phosphat und Kalium. Den Ruf als Immun-Superfood verdankt er den Stoffen Gingerol und Shogaol. Beide haben eine stark antioxidative und entzündungshemmende Wirkung. Während viele Pflanzen durch Hitze an Wirkstoffen verlieren, ist es beim Ingwer umgekehrt. Das Gingerol des frischen Ingwers wandelt sich beim Erhit- zen oder Trocknen in das noch wirksamere Shogaol. Wer keinen frischen Ingwer mag, kann also bedenkenlos mit Ingwerpulver würzen.
Anwendungstipp Kapseln
Nach jüngsten Studien sollen Ingwerkapseln bei Periodenschmerzen und Migräne helfen, weil sie Kopfschmerzen, Übelkeit, Krämpfe und Muskelschmerzen reduzieren. Dazu schon ab zwei Tagen vor Beginn der Periode mindestens 2 g Ingwerpulver täglich einnehmen.
Hinweis: Ingwer wirkt blutverdünnend. Daher sollte vor einer OP und bei gleichzeitiger Einnahme von Blutverdünnern Vorsicht gelten.